WortSehnsucht - Sehnsucht nach Worten. Schreibpassion und Wortmalerei. Lyrik | Kurzprosa | Gedanken von Sella Moll. In Zeiten von Kurznachrichten, Smileys und GIFs: Ohne Worte verstummt die Welt, obwohl sie uns immer lauter erscheint.
Posts mit dem Label winter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label winter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
nur einen spaltbreit
am ende des winters schmilzt der schnee, nur der schnee von gestern nicht, obschon man ihn bereits zu vergessen geglaubt oder nur so getan hat, weil man die schwere am rücken und unter den füßen nicht mehr spüren will man doch weiter ohne last, ohne vergangenheitsschweres gepäck in die zukunft öffnet manche türen nur einen spaltbreit; zu viel schnee von gestern im rucksack, den man nie zum schmelzen gebracht hat, seine kränkende masse nie vergeben hat, passte nicht durch den spalt. der schnee von gestern muss in der vergangenheit bleiben, in die tiefe der erde versickern, für immer begraben werden, damit man durch die tür einer zukunftschance (nur einen spaltbreit offen) ohne ballast gehen kann.
©Sella Moll /2019
.
der frühling muss auch ins herz hinein
der frühling da draußen muss auch ins herz hinein kommen er muss das dunkel der wintereinsamkeit verdrängen die inneren schotten wieder öffnen den schweren, dunklen samtvorhang vor der seele lüften den traurigen blick aus den augen verbannen das schweigen von den lippen herunterreißen wie das pflaster von der geheilten wunde er muss die trägheit des körpers im wald neben dem toten winter unter der erde begraben.
leicht ist der frühling da draußen, luftig voller düfte und farben wärme und freude, liebe und küsse — das alles muss in das herz hinein damit der frühling nicht nur draußen blüht sondern auch im inneren. lass das frühlingslicht leuchten im tiefen dunkel deines selbst ...
Foto & Text ©Sella Moll
.
alte muster
alte muster fallengelassen
der schnee darüber wächst
darunter liegen die jahre begraben
die alten muster in ihren armen
der schnee der zeiten
raubt ihnen den atem
die alten muster
entschlafen sanft
jeder frühling ist ein neubeginn
aber die alten muster
blühen nicht mehr auf
sie wurden zu staub
vor jahren
durch viele winter
erfroren am kalten boden
wo sie damals fallengelassen ...
©Sella Moll /2019
.
im zug, im nirgendwo
der zug blieb plötzlich stehen, irgendwo im nirgendwo, oben die graue himmeldämmerung, unten weißer, unberührter schnee, links stumme felsen, rechts, weiter entfernt die silhouetten ausgezehrter, nackter bäume, die einen Wald säumen. nichts bewegt sich, der zug und die zeit stehen sitll, in die landschaft eingegossen unter dem kalten hauch des winters. niemand träumt im zug von dem frühling, es wäre auch sinnlos, hoffentlich beginnt es nicht zu schneien. alle wollen nur eins, die nahende nacht im eigenen bett zu verbringen und dass man keine angst vor der kälte der nacht haben muss. im zug gibt es keine decken, nichts zu essen, nur ungeduld, sorgen und das ungute gefühl, dass, wenn bald keine hilfe kommt, die ersten ihrer aggression freien lauf lassen werden; der zug ist voller menschen und ruhe bewahren, das muss man können, aber je kälter es wird, desto schwieriger wird es sein. niemand, der friert und hungrig ist, kann entspannt bleiben, eingehüllt in der kalten schneeluft einer dunklen winternacht.
©Sella Moll /2019
.
Abonnieren
Posts (Atom)



