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wir sind mehr als wir sind

wir sind mehr als wir sind, das gute im menschen, liebe, gefühle, mitgefühl, toleranz, enttäuschungen, verdrängung, vergessen, ängste, mißtrauen, die welt, das leben, gedanken, kurzprosa, texte, frau, bahngleis, zug, natur, sonnenuntergang, schiene, gleis, foto,

wir sind mehr als wir sind, unser atem, unsere blicke, unsere gesten, das lächeln, die angst, die wut und die worte, die wir sprechen, unsere gedanken, die wir verschweigen, unsere taten, die mutig oder einfach bloß ein fehler waren, wir sind mehr, als wir es je zeigen können. denn das, was das mehr ausmacht, liegt tiefer, im dunklen meer der seele, dort keimt es und versucht zu blühen, das licht der welt, des lebens zu erhaschen, damit wir endlich wissen, wer wir wirkich sind. es ist das gute, ja, auch die liebe, die es so schwer haben, das dunkel durchzubrechen; zu mächtig sind die ängste, das mißtrauen, das fehlende vertrauen, zu viele enttäuschungen liegen wie skelette aus vergangenen zeiten im weg, mit staub bedeckt aber unvergessen, umsonst macht man sich die mühe, sie zu verdrängen. das gute, die liebe, sie möchten da sein, ein teil von uns sein, man vermisst sie, wenn sie es nicht schaffen, die hürden im inneren zu überwinden. sie brauchen hilfe und guten willen, damit sie unser dasein lebendiger machen können.


©Sella Moll /2019
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fühlbar anders

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jeder neue tag birgt
eine kleine veränderung
unbemerkbar oder sichtbar
etwas wird fühlbar anders
empfindungen, gedanken, worte ...

gestern noch in den höhen
heute in die tiefe fallen gelassen
alles keiner worte mehr wert
freundliche gesten verwelkt
das lächeln verblasst
nur die zeit fließt weiter

der zeit ist alles egal
sie nimmt, was sie gebracht
der frühling blüht weiter
auch ohne die kleinen,
täglichen freuden

aber der weg ist noch lang
vielleicht auch länger
man geht weiter und
blickt nach vorne
alles, was hinten liegt,
ist nun geschichte

das neue wird nur vorne geboren
das, was hinten liegt,
ist zum sterben verurteilt
ruft nach vergessen
ist nicht zu ändern

es ist die mühe nicht wert,
es wiederzubeleben
die luft ist verbraucht
der letzte atemzug ausgehaucht,
vom staub der vergangenheit
bedeckt ...


©Sella Moll /2019

Photo by Nguyễn Yến on Unsplash
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die last der schuld


die jahre wandern auf den pfaden des lebens, mit uns, vor uns, hinter uns, in drei richtungen fließt die zeit, mit uns und ohne uns, sie kennt keinen halt. warum krieg, mord und terror — nicht weil Gott es so will, die menschheit strengt sich nicht genug an. der mensch will herrschen, seinen willen, ideologien aufzwingen, beherrschen, schlagen, foltern, schmerz bereiten, bis der tod vor ihm, auf der schwelle steht und auch ihn selbst auslöscht. wieviel leid hat er über andere gebracht, wieviel von der welt hat er zerstört — seine verirrte seele schweigt, längst geflüchtet aus dem menschenmonster, der sich vom hass ernährt und wut speit; der nicht weiß, was leben heißt. der selbst von seiner eigenen unmenschlichkeit innerlich zerfressen auf den pfaden des lebens wandert und seine jahre nicht zählt, nur seine opfer, bis er in den brunnen seines eigenen hasses fällt; während die zeit unbeteiligt weiterfließt und die last der schuld von und an der menschheit immer schwerer wiegt — hinter uns, vor uns und mitten uns ...


©Sella Moll /2019

Foto:
National flower of Sri Lanka
von Kurt Stüber [1] [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
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das kleine glück

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buntblühender frühling
heißroter sommer
rostbraunmilder herbst
gnädigweißer winter

ein jahr voller farben
herzgefühle und
seelensehnsucht
immer nach liebe,
nach glück

wie ahnungslos
die welt ist
von großen träumen
angetrieben
doch wie groß
das kleine glück
sein kann!

viele sehen und
bemerken es nicht ...


©Sella Moll /2019
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das leben wird zu staub

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die herzen umweht vom staub
sie liegen ungehört, erschöpft
kein ton, keine klagen
aus der brust

es muss gehen
und bleiben muss es
solange es nicht gehen muss
das verlangt das leben

wer sagt,
dass es bleiben muss?

niemand, und man wirft es weg.
das leben wird zu staub.


©Sella Moll /2019
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in der welt meiner träume

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in meinen träumen
halte ich die welt
umschlungen
nur freude, frieden
glück in ihr
ihr atem ist voll
frühling und sommer

der trubel fällt leise
in den schoß der stille
leidensschreie
waffengeratter verstummen
alle dürfen sein in der welt
meiner träume.


©Sella Moll /2019
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