WortSehnsucht - Sehnsucht nach Worten. Schreibpassion und Wortmalerei. Lyrik | Kurzprosa | Gedanken von Sella Moll. In Zeiten von Kurznachrichten, Smileys und GIFs: Ohne Worte verstummt die Welt, obwohl sie uns immer lauter erscheint.
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Gedankenmosaik [Gelassenheit]
Bändige deine Gedanken, bevor sie in Wut ausarten, um den inneren Aufruhr deiner Emotionen abkühlen zu lassen. Gelassenheit bringt dich weiter, Wut und Aufruhr lassen dich im Stillstand verharren. -Sella Moll
Fluss voller Worte
das geschriebene fließt vor meinen augen, ein fluss voller worte, wie auch mein leben voller gedanken, erfahrungen, die mich begleiten, ungewollte und gewollte, abwartende, überstürzte ... die gefühle am grund des flusses, in der tiefe schlummernd, manche schon für tot erklärt und abgehakt; ich will sie nicht mehr sehen, nicht mehr fühlen — sie hatten nur kummer gebracht ...
doch an manchen tagen sind die gefühle rebellisch, brechen an die oberfläche, wo sie mit meinen worten zugedeckt in schach gehalten werden, damit sie die gegenwart nicht durchbrechen und ihr altes lied vom leid aufs neue singen können. des kampfes müde geworden, tauchen sie dann wieder in die tiefe hinab, in ihr dunkles grab voll schweigen und vergessen; ich warte, bis sie in der stille verstummen und ich warte, weiß nicht, wie lange schon darauf, dass sie auch aus meinem leben endlich verschwinden …
©Sella Moll /2019
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Lyrische Haftnotizen: suchen, finden
du suchst und findest nicht / du hast gefunden und hast gar nicht gesucht; nur danach suchen, was für dich zu finden ist, oder es findet dich, was du nicht zu suchen brauchst. ©Sella Moll
laute stunden, laute rufe
die stunden heute
sind laut
noch lauter die rufe
nach erneuerung der zeit
über nacht verschwindet
alles, was die monate
zuletzt mit empörung
gefüllt hat
alles neu macht der mai
es ist ein klischee, aber
manchmal doch zum lachen,
wie wahr es sein kann ...
©Sella Moll /2019
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gedanken bringen worte ins rollen
meine gedanken bringen
worte ins rollen
kleine, große
leichte und schwere
zuerst zaghaft
auch schüchtern
als wüden sie sich zieren,
sich auf dem Papier
zu zeigen
denn wenn sie
geschrieben werden
gibt es kein zurück
sie sind ihrer freiheit beraubt
da stehen sie schwarz auf weiß
stecken in den fasern
des papiers fest
die tinte sickert
in die tiefe des blattes
unauslöschbar werden
die worte sichtbar
niemand kann sie mehr befreien
ich kann das papier bloß zerreißen
die worte ohne betäubung
auseinanderreißen
ich höre, wie sie schreien ...
neue gedanken lassen sie
für immer verstummen
neue worte werden geboren
aber dann mit bedacht auf
ein neues blatt geschrieben
sie sollen nicht leidend sterben
sondern leben
auf dem papier lebendig bleiben
freude machen, inspirieren,
herzen berühren ...
©Sella Moll /2019
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aufruhr im inneren, tobende gedanken und gefühle
wenn gedanken zu laut pochen über dieses und jenes klagen, bis die wut in den tränen brennt und der widerstand im inneren so hart wie stahl, wie fels in der brandung nicht weicht, weil er sonst seinen willen verliert; ist man dann ein anderer, so brodelnd und rebellisch, als kämpfte man allein gegen die welt, als der, der man sonst ist, friedlich, wohlgesinnt und freundlich, liebend, höflich ...?
ist man nicht in der stille mehr sein eigenes selbst, wenn man seine gedanken lenkt, seine emotionen beherrscht und immer wieder merkt, wie der eigene verstand einen knechtet, alles besser weiß, sicherheit und bestätigung in allem sucht, was man denkt und tut?
das muster ist immer gleich, das spiel der macht zwischen verstand und der stimme des selbst; angst und verzweiflung säen, selbstvertrauen untergraben, zweifel nähren, das vertrauen im leben schmälern, das selbst zum sklaven machen. wer ist herr im eigenen haus? - das fragt man nicht, wenn man seine macht nicht abgibt, wenn man selbst über seine gefühle, gedanken herrscht; sie sind nicht mehr als hintergrundgeräusche, nur zu laut sollen sie nicht werden, das eigene selbst nicht übertönen.
das selbst findet seine stimme in der stille, wenn man wut, zweifel, enttäuschung und schmerz vorüberziehen, sie austoben lässt; das selbst ist der fels in der brandung, wenn es in der stille verharrt, wartend, bis der aufruhr der gefühle und gedanken verebbt ...
©Sella Moll /2019
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wir sind mehr als wir sind
wir sind mehr als wir sind, unser atem, unsere blicke, unsere gesten, das lächeln, die angst, die wut und die worte, die wir sprechen, unsere gedanken, die wir verschweigen, unsere taten, die mutig oder einfach bloß ein fehler waren, wir sind mehr, als wir es je zeigen können. denn das, was das mehr ausmacht, liegt tiefer, im dunklen meer der seele, dort keimt es und versucht zu blühen, das licht der welt, des lebens zu erhaschen, damit wir endlich wissen, wer wir wirkich sind. es ist das gute, ja, auch die liebe, die es so schwer haben, das dunkel durchzubrechen; zu mächtig sind die ängste, das mißtrauen, das fehlende vertrauen, zu viele enttäuschungen liegen wie skelette aus vergangenen zeiten im weg, mit staub bedeckt aber unvergessen, umsonst macht man sich die mühe, sie zu verdrängen. das gute, die liebe, sie möchten da sein, ein teil von uns sein, man vermisst sie, wenn sie es nicht schaffen, die hürden im inneren zu überwinden. sie brauchen hilfe und guten willen, damit sie unser dasein lebendiger machen können.
©Sella Moll /2019
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die last der schuld
die jahre wandern auf den pfaden des lebens, mit uns, vor uns, hinter uns, in drei richtungen fließt die zeit, mit uns und ohne uns, sie kennt keinen halt. warum krieg, mord und terror — nicht weil Gott es so will, die menschheit strengt sich nicht genug an. der mensch will herrschen, seinen willen, ideologien aufzwingen, beherrschen, schlagen, foltern, schmerz bereiten, bis der tod vor ihm, auf der schwelle steht und auch ihn selbst auslöscht. wieviel leid hat er über andere gebracht, wieviel von der welt hat er zerstört — seine verirrte seele schweigt, längst geflüchtet aus dem menschenmonster, der sich vom hass ernährt und wut speit; der nicht weiß, was leben heißt. der selbst von seiner eigenen unmenschlichkeit innerlich zerfressen auf den pfaden des lebens wandert und seine jahre nicht zählt, nur seine opfer, bis er in den brunnen seines eigenen hasses fällt; während die zeit unbeteiligt weiterfließt und die last der schuld von und an der menschheit immer schwerer wiegt — hinter uns, vor uns und mitten uns ...
©Sella Moll /2019
Foto:
National flower of Sri Lanka
von Kurt Stüber [1] [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
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gedanken, treue gefährten
meine gedanken
fliegen mit dem wind
durch die nacht
ich gehe zu bett
und sie gleiten rückwärts
durchbrechen schwere wolken
kämpfen sich durch
dunkelheit und nebel
bis sie mich wieder finden,
schlafend abwesend.
nur die toren meines geistes
sind offen geblieben
als hätte ich es geahnt
dass sie kommen würden
sie schlüpfen durch den spalt
und sind wieder bei mir
meine gedanken,
die treuen gefährten
unsichtbar, aber
immer präsent,
auch nachts.
©Sella Moll /2019
Photo by Kal Visuals on Unsplash
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